Einverständniserklärung in der Praxis: Was sie enthalten muss
Ethik und Schweigepflicht

Einverständniserklärung in der Praxis: Was sie enthalten muss

Erfahren Sie, wie Sie die Einverständniserklärung für Ihre Praxis praxisnah, rechtssicher und wertschätzend gestalten, um sowohl Klarheit als auch Schutz zu gewährleisten.

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Redaktion von ConfideyAktualisiert am 13. Oktober 2026
8 min

Die erste Sitzung in einer Praxis ist meist voller Erwartungen. Patientinnen und Klienten suchen Hilfe, Annahme und ein offenes Ohr. Sie als Fachperson möchten wiederum ab den ersten Minuten eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Inmitten dieses feinfühligen menschlichen Austauschs gibt es einen Schritt, den viele für reine Bürokratie halten, der jedoch das eigentliche Fundament der klinischen Arbeit bildet: die informierte Einverständniserklärung (Informed Consent).

Viele Fachpersonen empfinden ein gewisses Unbehagen dabei, jemandem in einer verletzlichen Situation ein Dokument voller Regeln vorzulegen. Doch klare Vereinbarungen schaffen Vertrauen. Eine gut strukturierte Einverständniserklärung schreckt Klienten keineswegs von einer Therapie oder Beratung ab. Im Gegenteil, sie schafft einen sicheren Rahmen, damit die spätere Arbeit ohne böse Überraschungen gelingen kann.

Wenn Regeln zu Ausfällen, Abrechnung und Kommunikationsgrenzen von Anfang an transparent sind, liegt der Fokus der folgenden Sitzungen rein auf der Entwicklung oder Behandlung der betreuten Person. Wir zeigen Ihnen in der Praxis, wie Sie dieses Dokument klar, verständlich und einfühlsam aufbauen, um Ihre Praxis und Ihre Klienten bestmöglich abzudichern.

1. Klarheit über Format und Art der Dienstleistung

Der erste Schritt Ihrer Einverständniserklärung besteht darin, genau zu erklären, was Sie in Ihrer Praxis anbieten. Fachjargon aus Ihrer Therapierichtung hilft Klienten in diesem ersten Moment nicht weiter. Die Personen müssen praktisch verstehen, wie die Sitzungen ablaufen, wie lange sie dauern und was das allgemeine Ziel der Begleitung ist.

Für Psychotherapeutinnen oder Psychologen bedeutet dies zu erklären, dass der Raum für Gespräch, Zuhören und Reflektion da ist. Für Ernährungsberaterinnen geht es darum, die Bereitstellung des Ernährungsplans und die Messungen zu erläutern. Für Coaches und Berater erfordert es die Abgrenzung praktischer Ziele des Prozesses. Klienten sollten das Dokument lesen und die gebuchte Leistung vollkommen verstehen, ohne Raum für falsche Erwartungen an den Verlauf.

So formulieren Sie es im Dokument: Definieren Sie die Dauer des Treffens (zum Beispiel 50 Minuten), die Frequenz (wöchentlich oder zweiwöchentlich) und die grundlegende Methodik in einfacher Sprache. Seien Sie direkt und vermeiden Sie schweres akademisches Fachchinesisch.

So sagen Sie es in der Sitzung: "Unsere Arbeit findet in Sitzungen von 50 Minuten statt. In dieser Zeit konzentrieren wir uns auf die Ziele, die wir heute besprechen. Mein Ansatz beinhaltet intensive Gespräche und gelegentlich praktische Übungen, die wir gemeinsam durchführen."

Der wichtigste Hinweis: Versprechen Sie niemals spezifische Ergebnisse oder Heilungsversprechen. Klinische oder beratende Arbeit ist immer eine Zusammenarbeit beider Seiten. Das Dokument sollte klarstellen, dass der Fortschritt direkt vom Engagement der Klienten während des gesamten Prozesses abhängt.

2. Grenzen der Schweigepflicht und Datenschutz

Das Fundament jeder gesundheitlichen oder beratenden Betreuung ist die uneingeschränkte Vertraulichkeit. Klienten öffnen sich erst dann wirklich, wenn sie die absolute Gewissheit haben, dass die geteilten Informationen diesen Raum nicht verlassen, sei er physisch oder virtuell. Die Einverständniserklärung muss diese Schweigepflicht unmissverständlich begründen.

Im Berufsalltag ist die Schweigepflicht jedoch nicht absolut. Es gibt extreme und seltene Situationen, in denen Fachpersonen die ethische und rechtliche Pflicht haben, die Vertraulichkeit aufzuheben, um Leben zu schützen. Es ist essenziell, dass Klienten dies vor Beginn des Prozesses wissen. Das Verschweigen dieser Ausnahmen kann später zu irreversiblen Vertrauensbrüchen führen.

So formulieren Sie es im Dokument: Erklären Sie, dass alles vertraulich behandelt wird, und listen Sie die allgemeinen Ausnahmen objektiv auf. Typische Ausnahmen betreffen die unmittelbare Gefahr für das eigene Leben der Klienten, Gefahr für das Leben Dritter, Kindeswohlgefährdung oder spezifische gerichtliche Anordnungen.

So sagen Sie es in der Sitzung: "Alles, was Sie mir hier anvertrauen, unterliegt der absoluten Schweigepflicht. Die einzige Ausnahme wäre eine Situation, in der eine reale und akute Gefahr für Ihr Leben oder das Leben einer anderen Person besteht."

Der wichtigste Hinweis: Die rechtlichen Rahmenbedingungen variieren je nach Gesetzgebung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sowie der jeweiligen Berufsordnung. Überprüfen Sie die Vorschriften Ihrer Region bezüglich Meldepflichten und Entbindung von der Schweigepflicht. Bei der Behandlung von Jugendlichen sollte das Dokument Eltern erklären, dass diese zwar allgemeine Rückmeldungen erhalten, jedoch nicht den exakten Inhalt der vertraulichen Gespräche.

3. Finanzielle Regelungen, Ausfälle und Verspätungen

Die häufigste Ursache für Missverständnisse zwischen Fachkräften und Klienten sind Honorare sowie Absageregelungen. Eine gut ausgearbeitete Einverständniserklärung klärt dies im Voraus. Das Dokument sollte das von Ihnen reservierte Zeitfenster schützen und die finanzielle Planbarkeit Ihrer Praxis sichern.

Die Regelung zu Ausfällen muss glasklar sein. Wenn Klienten kurzfristig absagen, geht die Gelegenheit für andere verloren und es entsteht ein Leerlauf in Ihrem Kalender. Die Festlegung einer Frist für kostenfreie Absagen ist keine mangelnde Empathie, sondern grundlegende Organisation. Das Ausfallhonorar bei verspäteten Absagen gehört zur eingegangenen Vereinbarung.

So formulieren Sie es im Dokument: Definieren Sie das Honorar pro Sitzung, die Zahlungsmodalitäten, Fälligkeiten und die genaue Absageregelung. Verlangen Sie beispielsweise eine Benachrichtigung mindestens 24 Stunden im Voraus. Für weitere praxisnahe Impulse werfen Sie einen Blick auf unsere Leitfäden in unserem Blog.

So sagen Sie es in der Sitzung: "Falls Sie eine Sitzung absagen müssen, bitte ich Sie, mir mindestens 24 Stunden vorher Bescheid zu geben. Bei späteren Absagen muss ich das Ausfallhonorar berechnen, da diese Zeit exklusiv für Sie reserviert war."

Der wichtigste Hinweis: Bleiben Sie konsequent bei den Regeln, aber handeln Sie bei echten Notfällen mit Augenmaß. Das Dokument gibt Ihnen den rechtlichen Rückhalt für die Abrechnung, jedoch stärkt Flexibilität bei echten Schicksalsschlägen die Klientenbeziehung. Denken Sie auch daran festzulegen, wie verfahren wird, wenn Sie selbst eine Sitzung absagen müssen.

4. Kontakt zwischen den Sitzungen und Notfälle

Durch die Nutzung von Messengerdiensten verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit zunehmend. Viele Klienten glauben, sie könnten lange Sprachnachrichten schicken oder mitten in der Nacht fachlichen Rat einholen. Die Einverständniserklärung muss klar festlegen, wie die Kommunikation außerhalb der Sitzungen funktioniert.

Sie müssen offizielle Kanäle und realistische Antwortzeiten festlegen. Wenn Ihr Betreuungsmodell keinen 24-Stunden-Support umfasst, dürfen Klienten nicht die Erwartung hegen, in einer akuten Krise sofort eine Antwort zu erhalten. Klarheit schützt Klienten vor Enttäuschungen und wahrt Ihre eigene mentale Gesundheit.

So formulieren Sie es im Dokument: Spezifizieren Sie, dass Textnachrichten vorzugsweise für organisatorische Anliegen genutzt werden sollten, etwa für Terminverschiebungen oder Zahlungsbelege. Definieren Sie Geschäftszeiten, in denen Sie Nachrichten lesen und beantworten.

So sagen Sie es in der Sitzung: "Sie können mir gerne Nachrichten zur Terminorganisation schicken. Ausführliche inhaltliche Themen besprechen wir jedoch in unseren Sitzungen. Falls etwas Dringendes passiert, notieren Sie es sich bitte für unser nächstes Treffen."

Der wichtigste Hinweis: Bieten Sie sichere Alternativen für reale Notfälle an. Wenn Sie Klienten mit hohem emotionalen Leidensdruck betreuen, fügen Sie im Dokument Notfallrufnummern ein (zum Beispiel TelefonSeelsorge oder regionale Krisendienste). Machen Sie deutlich, dass Ihre Praxis keine Notfallambulanz ist.

5. Rahmenbedingungen und Technologie bei Online-Sitzungen

Das Online-Format hat den Praxisalltag verändert. Es bringt Flexibilität, aber auch neue ethische Herausforderungen mit sich. Die Einverständniserklärung muss Klienten informieren, wie sie sich auf eine Videosprechstunde vorbereiten. Die Qualität der Sitzung hängt auf beiden Seiten des Bildschirms von einer geeigneten Umgebung ab.

Es kommt vor, dass Klienten versuchen, Sitzungen im Auto, während der Arbeitszeit im Büro oder bei Anwesenheit von Familienmitgliedern durchzuführen. Dies beeinträchtigt Fokus, Privatsphäre und Tiefe der Arbeit. Der Vertrag muss Mindestbedingungen für eine sichere Durchführung benennen.

So formulieren Sie es im Dokument: Verlangen Sie formell, dass sich Klienten in einem geschlossenen, gut beleuchteten Raum befinden, ungestört sind und vorzugsweise Kopfhörer tragen. Erklären Sie das genaue Vorgehen bei Verbindungsstörungen.

So sagen Sie es in der Sitzung: "Damit unsere Online-Sitzung gewinnbringend ist, bitte ich Sie, sich an einem absolut privaten Ort aufzuhalten. Sollte die Internetverbindung unterbrochen werden, versuchen wir nach fünf Minuten erneut, uns über denselben Link einzuwählen. Klappt das nicht, rufe ich Sie auf Ihrem Mobiltelefon an."

Der wichtigste Hinweis: Stellen Sie sicher, dass Ihre eigene Infrastruktur den Datenschutzanforderungen (wie der DSGVO) entspricht. Nutzen Sie zertifizierte und sichere Videoplattformen. Zeichnen Sie Sitzungen niemals ohne ausdrückliche schriftliche Einwilligung der Klienten auf (was im Praxisalltag ohnehin selten indiziert ist).

6. Dokumentation und Regelungen zum Therapieende

Jede professionelle Begleitung erfordert die fortlaufende Dokumentation der besprochenen Inhalte und Behandlungspläne. Verlaufsdokumentationen und Patientenakten sind vertrauliche Kundendaten und offizielle Nachweise der Leistungserbringung. Klienten haben das Recht zu erfahren, dass diese Aufzeichnungen geführt und wie sie gesichert werden.

Neben der Dokumentation sollte die Einverständniserklärung vorausschauend regeln, wie die Betreuung beendet wird. Regulärer Abschluss, Therapieabbruch oder Weitervermittlung sind natürliche Schritte. Ein festgelegter Rahmen verhindert plötzliche Abbrüche ohne ein klärendes Abschlussgespräch.

So formulieren Sie es im Dokument: Informieren Sie darüber, dass Sie Verlaufsdokumentationen an einem sicheren, passwortgeschützten Ort aufbewahren. Zum Behandlungsende empfehlen Sie eine finale Sitzung zur gemeinsamen Bilanzierung des Prozesses.

So sagen Sie es in der Sitzung: "Ich halte wesentliche Punkte unserer Gespräche fest, um die Arbeit strukturiert zu planen, selbstverständlich unter höchsten Sicherheitsstandards. Sie können die Zusammenarbeit jederzeit beenden, jedoch empfehle ich stets eine finale Sitzung, um den Prozess gut abzuschließen."

Der wichtigste Hinweis: Bewahren Sie die Akten gemäß den gesetzlichen Aufbewahrungsfristen Ihres Landes auf (in Deutschland meist 10 Jahre nach Abschluss der Behandlung). Beachten Sie, dass Klienten ein Recht auf Einsichtnahme oder Zusammenfassung der Akte haben, falls sie die Praxis wechseln.

7. Aufgaben zwischen den Sitzungen und Fortschrittskontrolle

Viele zielorientierte Ansätze nutzen kleine Übungen, Leseempfehlungen oder Selbstbeobachtungsbögen zwischen den Einheiten. Die Einverständniserklärung ist der richtige Ort, um diese Dynamik einzuführen. Klienten sollten wissen, ob solche Aufgaben vorgesehen sind und welchen Stellenwert sie für das Gesamtziel haben.

Es ist wichtig, dass das Dokument die Freiwilligkeit betont. Die Erfassung von Stimmung, Essgewohnheiten oder Gedanken entfaltet nur bei voller Freiwilligkeit eine positive Wirkung. Druck zur Bearbeitung umfangreicher Formulare kann die Begleitung in eine belastende Pflicht verwandeln.

So formulieren Sie es im Dokument: Erklären Sie, dass ein großer Teil des Fortschritts im Alltag außerhalb der Praxis stattfindet. Machen Sie deutlich, dass Aufgaben wertvolle Impulse bieten, Klienten jedoch stets die Autonomie über das Tempo behalten.

So sagen Sie es in der Sitzung: "Zwischen unseren Sitzungen schlage ich manchmal kleine Übungen oder Beobachtungen vor. In der folgenden Sitzung besprechen wir dann gemeinsam Ihre Erfahrungen damit."

Der wichtigste Hinweis: Respektieren Sie die Privatsphäre Ihrer Klienten bei der Praxisorganisation. Auf der Confidey-Plattform für Fachpersonen verfolgen Sie Fortschritte zwischen den Sitzungen ausschließlich über Inhalte, die von Klienten freigegeben wurden (Aufgaben, Ziele, Routineverläufe und Stimmungen), niemals jedoch vertrauliche Gesprächsinhalte. Das Dashboard organisiert Ihren Arbeitstag, sichere Verlaufsnotizen, Klientenvereinbarungen und automatische Terminerinnerungen.

Fazit

Eine Einverständniserklärung gleich im Erstgespräch vorzulegen, ist keine kalte Bürokratie. Wenn sie transparent erklärt wird, wirkt sie als erster großer Akt der Fürsorge gegenüber der betreuten Person. Das Dokument schafft klare Orientierung. Klienten gewinnen Sicherheit über den Ablauf der kommenden Monate, und Sie erhalten die notwendige Ruhe, um sich voll auf Ihre Facharbeit zu konzentrieren.

Die kontinuierliche Praxisarbeit erfordert hohes Engagement. Klare Rahmenbedingungen und die richtigen digitalen Werkzeuge machen einen spürbaren Unterschied für die Qualität Ihrer Arbeit. Wenn Sie nach einem sicheren, professionellen und ethischen Weg suchen, Ihre Praxis zu organisieren, laden wir Sie ein, Confidey für Fachleute kennenzulernen.

Wissenschaftliche und rechtliche Grundlagen

Die Berufsordnungen führender Gesundheits- und Beratungsprofessionen fordern eine fundierte Aufklärung und Einverständniserklärung zu Beginn der Betreuung. Internationale Praxisstandards betonen, dass Transparenz bezüglich Schweigepflicht, Kosten und Methodik kein rechtliches Schutzschild ist, sondern vor allem ein grundlegendes Recht der betreuten Person.

Der breite Konsens in der Praxis zeigt, dass klare Vereinbarungen vorzeitigen Abbrüchen vorbeugen. Die verbindliche Strukturierung minimiert organisatorische Unklarheiten und festigt eine Beziehung gegenseitigen Respekts. So schaffen Sie die optimale Basis für wirksame professionelle Arbeit. Zur Vertiefung theoretischer Grundlagen besuchen Sie unseren Bereich für Forschung und Leitlinien.

Häufige Fragen

Muss die Einverständniserklärung handschriftlich unterschrieben werden?+

Nicht zwingend. Bei Online-Behandlungen akzeptieren viele Berufsverbände und rechtliche Rahmenbedingungen auch digitale Zustimmungen oder Bestätigungen über sichere Plattformen, sofern die Klienten vollumfänglichen Einblick in den Vertragstext erhalten.

Wie verankert man unentschuldigte Fehlzeiten im Vertrag?+

Das Dokument sollte eine klare Absagefrist definieren (z. B. 24 Stunden im Voraus). Es muss transparent geregelt sein, dass bei verspäteten Absagen ein Ausfallhonorar anfällt, um das reservierte Zeitfenster abzudecken.

Sollten Honorare und jährliche Anpassungen enthalten sein?+

Ja. Die Erklärung bietet Rechtssicherheit, wenn das vereinbarte Honorar, die Zahlungsarten sowie eine Regelung zu künftigen Honoraranpassungen (etwa zu Jahresbeginn) enthalten sind.

Gehört eine Regelung zu Messenger-Kontakten (z. B. WhatsApp) in den Vertrag?+

Unbedingt. Das Dokument sollte offizielle Kanäle für kurze organisatorische Nachrichten sowie Ihre üblichen Antwortzeiten festlegen. Das verhindert falsche Erwartungen hinsichtlich sofortiger Erreichbarkeit rund um die Uhr.

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Die Begleitung zwischen den Sitzungen, mit dem, was die Person teilen möchte.

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